Zu allen aktuellen Themen bzgl. des jetzt anstehenden Rückbaus des AKW Biblis verweisen wir auf die Seite von Atomerbe Biblis e.V.

Rede auf dem Römerberg

Liebe Atomkraftgegnerinnen und –gegner, liebe Freunde der Energiewende,

Fukushima und der deutsche Atomausstieg sind schicksalhaft miteinander verbunden. Wenn es Fukushima nicht gegeben hätte, hätten wir heute noch die Laufzeitverlängerung. Wenn es den dt. Weg zum Atomausstieg nicht gegeben hätte, wer weiß, ob unsere japanischen Freunde dann den Weg auf die Straße gefunden hätten.

Wir sind heute hier, um unseren japanischen Freunden Mut zu machen, unsere Solidarität mit ihnen zu zeigen und auch uns einmal mehr ins Bewusstsein zu rufen:

Es ist noch nicht vorbei!

Unser angeblicher Atomausstieg ist eine Mogelpackung. Hier ein paar Beispiele:

  • noch mindestens 10 weitere Jahre Bedrohung durch mögliche Super-GAUs.
  • Atomausstieg kann jederzeit wieder rückgängig gemacht werden

Laufzeitverlängerungen der restlichen 9 AKW von bis zu 5 Jahren gegenüber dem Ausstiegsgesetz von 2001

  • Förderungserhöhung für milliardenteure Offshore-Windparks der großen Vier (E.ON, RWE, EnBW, Vattenfall)
  • Vergütungskürzungen bei Onshore-Windanlagen und Solaranlagen
  • keine steuerliche Förderung von energetischer Gebäudesanierung
  • Atommüllproblematik und Endlagerfrage komplett ungelöst

weltweit: kein Kilo ist bisher sicher entsorgt!

  • Urananreicherungsanlage Gronau läuft weiter
  • Hermes-Bürgschaften für Atomexporte

Wir haben allen Grund, weiterhin Druck auf dem Kessel zu halten!!

Es ist noch lange nicht vorbei!

In der unheiligen Allianz von Politik und Atomwirtschaft werden ständig und täglich neue Szenarien durchgespielt, wie man doch noch die eigene Haut und die eigenen Pfründe retten könnte, mit welchen Tricks man doch noch Aktionäre, Investoren bei Laune halten könnte. frei nach dem Motto: nach mir die Sintflut!

Auch das verbindet uns: die Anti-AKW-Initiativen in Deutschland mit den Freunden in Japan. Wir haben alle die gleichen mächtigen Gegner und leiden alle unter der menschenverachtenden Politik der Atomwirtschaft.

Japan hat uns gezeigt, dass der Atomausstieg auch schneller zu machen ist: die haben es geschafft, innerhalb von nur 14 Monaten 54 (!) Meiler stillzulegen. Dabei haben sie einen Atomstromanteil von 30% (10% mehr als bei uns) und trotzdem gingen in diesem hoch industrialisierten Land nicht die Lichter aus.

Jetzt sollen dort in aller Eile und allen Sicherheitsbedenken zum Trotz die AKWs eins nach dem anderen wieder ans Netz gehen. Warum machen die das??

Weil die Atomlobby Angst hat, der gefürchtete Strom-Blackout im gerade beginnenden heißen Sommer würde NICHT eintreten, denn das würde der japanischen Anti-AKW-Bewegung mächtig Flügel verleihen.

Hunderttausende gehen in Japan jetzt auf die Straße und das will bei den sonst so braven Japanern wahrlich was heißen! Sie sind zu Recht wütend über diese Ignoranz der Atomlobby und diese Ignoranz der Regierenden.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz haben errechnet, dass wir weltweit alle 10 bis 20 Jahre mit einem Super-GAU rechnen müssen.

Die Japaner haben erlebt, was das heißt und sie sagen: Schluss jetzt!!!

Diese Ignoranz ist unerträglich. Die Konsequenz muss lauten: raus aus der Atomkraft! Sofort!!!

Doch zurück nach Deutschland:

Wir werden noch Jahrtausende mit dem jetzt schon existierenden radioaktiven Müll und den Atomruinen zu tun haben. Damit aber nicht genug:

wir müssen hier noch mindestens weitere 10 Jahre mit laufenden AKWs und den damit verbundenen Risiken leben.

Eine Presse-Schlagzeile aus dem letzten Jahr:

Deutsche Wildschweine strahlen stärker als Sushi

Dank Tschernobyl vor 26 Jahren,

heute noch genauso aktuell und zeigt einmal mehr:

Es ist noch lange nicht vorbei!

Nun mag man denken „Solange kein großer Unfall passiert…“

Irrtum:

Die KiKK-Studie der IPPNW von 2007 ergab, dass es einen statistischen Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zum nächstgelegenen Kernkraftwerk und dem Risiko gibt, vor dem 5. Geburtstag an Krebs und Leukämie zu erkranken: Je näher ein Kleinkind an einem Kernkraftwerk wohnt, um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es erkrankt.

Ich frage Euch: Wie viele Kinder wollen und sollen wir noch opfern? Dieser Preis ist zu hoch! Er ist unbezahlbar! -

Wehrt Euch! Empört Euch!

Was kann jeder von uns tun???

  • sich informieren, an der richtigen Stelle (Internet, z.B. ausgestrahlt.de)
  • äußerst kritisch die Entwicklung und Berichterstattung verfolgen
  • die gewonnenen Erkenntnisse weitertragen
  • sich einer Initiative anschließen

(Friedberg, Langen, Dreieich, Hanau, Frankfurt, Aschaffenburg, Darmstadt, Groß-Gerau, an der Bergstraße)

  • Newsletter abonnieren (Hinweis auf ausliegende Liste)
  • die Energiewende selbst in die Hand nehmen

Strom sparen

  • Energie sparende Geräte anschaffen
  • den Stromanbieter wechseln
  • selbst Strom erzeugen
  • oder eine Energiegenossenschaft gründen bzw. unterstützen
    • bereits da: Heppenheim, Büttelborn, Hofheim,
    • Darmstadt in Gründung, Mörf.-Walldorf in Planung

u.v.m.

Eins ist klar: Nicht jeder kann alles leisten. Aber wenn jeder von uns ein bisserl was tut (das, was ihm am besten liegt), dann sind wir in Summe fast perfekt!

Deshalb:

Lasst uns gemeinsam dafür kämpfen, dass dieser Wahnsinn Atomenergie so bald wie möglich Geschichte ist.

Lasst uns gemeinsam dafür eintreten, dass die wirkliche Energiewende, die auch den Namen wirklich verdient, endlich Fahrt aufnimmt und macht euren Abgeordneten Dampf unter dem Hintern, tretet ihnen ruhig auch mal ordentlich auf die Füße!

Lasst uns gemeinsam der Welt beweisen, dass der Atomausstieg dauerhaft möglich ist. Wenn wir beispielhaft vorangehen, werden andere (Nationen) uns folgen. Auch so was schafft Arbeitsplätze und vor allen Dingen eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder und Kindeskinder.

Auf Nimmerwiedersehen Atomkraft

Sayonara Genpatsu

Solidaritätskundgebung Frankfurt, Römerberg 29.07.2012